Newsletter Nummer 4 | 01.10.2007
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Liebe Leserinnen und Leser,
von einem "Sommerloch" konnte in diesem Jahr - zumindest in Hinsicht auf publizistische Selbstkontrolle und Medienkontrolle - nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil. Manche Fragen wurden mit teils überraschenden Perspektiven diskutiert und entschieden. So wurde das Thema: "Hat sich das Bundesfamilienministerium, mit Frau Ursula von der Leyen an der Spitze, der Schleichwerbung schuldig gemacht?" von der Öffentlichkeit deutlich bejaht, der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) freilich sagte: Nein, keine Schleichwerbung. Das ist kein Wunder: Hätte die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) sonst kurz darauf Frau von der Leyen mit dem Deutschen PR-Preis auszeichnen können?
Schleichwerbung im Radio ist längst nicht das einzige Thema, dem sich dieser Newsletter widmet. Die Medienkontrolleure streiten über die Frage: Ist Sat1 wirklich noch ein Vollprogramm? Viel Aufmerksamkeit gab es auch für die Fragen: Was tun gegen Schleichwerbung im Fernsehen? Und wie schützen wir Kinder und Jugendliche vor kriminellen Absichten im Internet? Das alles sorgte in diesem Sommer für heiße Debatten in der Medienlandschaft. Außerdem revidierte der PR-Rat erstmals einen Ratsspruch. Und der Deutsche Presserat musste wegen eines Spruchs gegen die Stiftung Warentest sogar eine gerichtliche Niederlage hinnehmen. Doch weil dieses Thema noch durch die Distanzen geht, werden wir uns erst im nächsten Newsletter damit befassen.
Eröffnet wird unser 4. Newsletter mit einem Beitrag zum Thema Jugendschutz, den Dr. Ingrid Stapf als Mitglied des FPS für uns verfasst hat.
Viel Spaß beim Lesen wünscht die Redaktion
Anna Deileke & Thorsten Turck
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| I. JUGENDSCHUTZ IN NEUEN MEDIEN |
| II. PREISWÜRDIGE SCHLEICHWERBUNG? |
| III. WIEVIEL JOURNALISMUS BRAUCHT EIN VOLLPROGRAMM? |
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| I. JUGENDSCHUTZ IN NEUEN MEDIEN |
Wir leben in einer Kultur der Entgrenzung. Grenzen öffnen sich, ob im zusammen wachsenden Europa oder als Folge des Netzwerk-Prinzips im Internet. Bislang gültige Grenzen verschieben sich, werden transparenter oder aufgelöst. Wir surfen im Raum Internet, ohne dabei überhaupt nationale Grenzen zu überschreiten. Wir sehen per Satellit Produktionen aus anderen Ländern, wir telefonieren mit der Flatrate "grenzenlos". Der Verlust von Grenzen, der zumeist positiv bewertet wird, ereignet sich auf verschiedenen Ebenen. So auch in der Werbung. Dies sollte nicht weiter überraschen, denn im Zuge derzeitiger Entwicklungen ent-grenzen sich traditionelle Medien (die Auflösung klassischer Massenmedien durch Digitalisierung) ebenso wie ihre Formate (die Vermischung von Unterhaltung und Information). Die Werbung reagiert gleichermaßen auf diese Entwicklungen, wie sie diese selbst vorantreibt. In der Konsequenz "passen" traditionelle Sichtweisen nicht mehr genau auf die Phänomene. Im Folgenden soll daher überlegt werden, wie sich im Zuge der Entgrenzung neue Werbeformen entwickeln, in welcher Form sie für den Jugendmedienschutz relevant sind und welche Konsequenzen sich für die Medien-Selbstkontrolle (mit Schwerpunkt Rundfunk) daraus ergeben[...]
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"(...) Schönheitsoperationen, Killerspiele, Magersuchtforen und sexuelle Belästigung per Chat - Kinder und Jugendliche sind nach Ansicht von Experten mannigfach bedroht durch den stetig wachsenden Medienkonsum. (...)".
Die Journalistin Monika Ermert hat zu diesem Thema einen Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung verfasst.
http://www.nzz.ch/nachrichten/medien/die_polizisten_des_internets_1.533192.html
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Der Provider Rapidshare entfernte 90 rechtsextreme Tonträger von seinem Server und unterband damit einen Missbrauch seines Dienstes. Anlass war ein Hinweis durch die Behörde jugendschutz.net, die von den Jugendministern der Bundesländer für die Telemedien eingerichtet wurde.
http://de.internet.com/index.php?id=2050996§ion=Marketing-News
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Die privaten Fernsehsender strahlen häufig tagsüber Spielfilme oder Fernsehfilme mit einer Altersfreigabe aus, die nicht von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) gebilligt wird.
http://www.newsroom.de/news/detail/411575
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Die deutschen Medienwächter prüfen rechtliche Schritte gegen Sex-Programme im digitalen Satellitenfernsehen. Zurzeit sendeten etwa auf den Astra-Satelliten fast 60 Veranstalter bis zu 24 Stunden täglich Sex-Programme, berichtet die gemeinsame Programmkommission der Landesmedienanstalten.
http://www.newsroom.de/news/detail/415822
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Mit der "Initiative gesellschaftliche Verantwortung" will die Vereinigung von zwölf großen Spielherstellern "den Grundstein legen für eine große konzertierte Aktion zwischen Politik und Wirtschaft", erklärte BIU-Vorstandsspecher Thomas Zeitner. Das ganze Thema Computer- und Videospiele müsse differenzierter betrachtet werden, als im Rahmen der Diskussion um Verbotsmöglichkeiten für brutale Games. Mit im Boot sind Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Strafverfolgung sowie von Jugendschutzbehörden der Länder.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/96113
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| II. PREISWÜRDIGE SCHLEICHWERBUNG? |
In zahlreichen Programmen des privaten und des öffentlich-rechtlichen Radios finden sich verdeckte werbliche Erscheinungsformen. Oftmals werden so genannte Audio-PR-Beiträge ausgestrahlt, ohne dass sie zuvor journalistisch bearbeitet oder relativiert worden wären. Die Einflussnahme von Public Relations auf den Journalismus geht damit weit über eine Festlegung von Themen und Inhalten hinaus, berichtet die LfM:
http://www.lfm-nrw.de/presse/index.php3?id=523
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Für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sind Politik und Medien heute untrennbar verbunden. "Ich bin der Meinung, das ist eine Schicksalsgemeinschaft. Ich kann auch Journalisten instrumentalisieren. Ich weiß, auf was die abfahren, und wenn ich eine Nachricht produzieren will, dann weiß ich, wo ich sie hinsetze. Das geht auch im gegenseitigen Interesse", sagte Wowereit in der ARD-Talksendung Beckmann.
http://www.newsroom.de/news/detail/418415
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| III. WIEVIEL JOURNALISMUS BRAUCHT EIN VOLLPROGRAMM? |
Die Landesmedienanstalten Rheinland-Pfalz (LMK) und Saarland (LMS) waren sich uneinig. Nachdem Sat.1 bereits seine Magazine "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend" aus dem Programm warf und auch das Ende der Nachtnachrichten ankündigte, entfachte im August die Debatte, ob die Vollprogramm-Lizenz gerechtfertigt sei. Die für Sat.1 zuständige Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) hat ihre Einstufung des Berliner Privatsenders als Vollprogramm verteidigt. Entgegen der Kritik durch die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) will die LMK weiterhin den Vollprogrammstatus von Sat.1 anerkennen. Daraufhin übten die Journalisten von Netzwerk Recherche deutliche Kritik. Im Newsletter Nr. 45 des Netzwerks lautet der Vorwurf wie folgt: (...) "Hier stellen Landesmedienanstalten, deren Aufgabe eigentlich die Kontrolle von privaten Anbietern ist, SAT 1 einen Persilschein aus. Den Lobbyisten genügt der "Informationsanteil im Programm" auch ohne Nachrichten. Vielen Medienpolitikern, die sich bei der Kontrolle des kommerziellen Privatfunks auf einen öffentlich-rechtlichen Status ihrer Gremien berufen, genügen solche Freibriefe. Wenn die Medienkritik dieses Thema nicht aufgreift, wird der Öffentlichkeit wieder ein X für ein U vorgemacht." (...)
Links zum Thema:
http://www.quotenmeter.de/index.php?newsid=21452
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,497494,00.html
http://www.netzwerkrecherche.de/newsletter/nnr_45_070801.txt
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Die Medienkontrollkommission KEK hat mehr Transparenz bei der Beteiligung von Finanzinvestoren an Medienunternehmen in Deutschland gefordert. Seit Jahren seien ausländische Geldgeber vor allem an der ProSiebenSat.1-Gruppe und bei Premiere beteiligt. Es gebe aber keine rechtlichen Mittel, solche Beteiligungen zu beanstanden, erklärte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK).
http://www.newsroom.de/news/detail/417617
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Am 5. Juli hat das "Zweite Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft" den Deutschen Bundestag passiert.
http://www.bmj.de/enid
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Journalisten und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordern eine Anhörung im Mainzer Landtag zum Entwurf eines Informationsfreiheitsgesetzes. Bei der Anhörung wollten Vertreter der Landespressekonferenz, des Vereins Netzwerk Recherche, des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) sowie der Gewerkschaft Vorschläge zu einer erweiterten Ausgestaltung des Gesetzentwurfs vortragen.
http://www.newsroom.de/news/detail/415821
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Nach dem neuen Verhaltenskodex der WAZ Mediengruppe (siehe FPS Newsletter Ausgabe 3) engagieren sich Vertreter der WAZ und die Internationale Journalistenvereinigung IFJ erneut im Bereich der Selbstkontrolle. Gemeinsam haben die beiden Vereinigungen ein "Rahmenabkommen zur Verteidigung und Förderung von Pressefreiheit, Qualitätsjournalismus und guten Arbeitsbeziehungen in den Unternehmen der WAZ-Mediengruppe" unterzeichnet.
http://www.newsroom.de/news/detail/$ESBNISIQMSMQ
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Herausgeber:
Verein zur Förderung der publizistischen Selbstkontrolle e.V.
c/o Institut für Journalistik
Universität Dortmund
Emil-Figge-Straße 50
44 221 Dortmund
ViSdP:
FPS-Vorstand
Prof. Dr. Horst Pöttker, Dortmund (1.Vors.)
Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher, Wien (2. Vors.)
Prof. Dr. Achim Baum, Osnabrück (Schriftführer)
Dr. Christian Schicha, Duisburg (Schatzmeister)
Email: info@publizistische-selbstkontrolle.de
Internet: http://www.publizistische-selbstkontrolle.de
Die Inhalte dieses Newsletters dürfen journalistisch weiterverwendet oder nachgedruckt werden, wenn der Verein zur Förderung der publizistischen Selbstkontrolle e.V. als Quelle angegeben wird.
Die Produktion dieses Newsletters wird durch die freundliche Unterstützung der Stiftung Presse-Haus NRZ ermöglicht: http://www.stiftungpressehausnrz.de |
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