Ziele und Aufgaben

1.

Die publizistische Selbstkontrolle wird von einer Reihe unterschiedlicher Organe (z.B. Deutscher Presserat, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM), Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), Freiwillige Selbstkontrolle Kino (FSK), Deutscher Werberat, Deutscher Rat für Public Relations usw.) ausgeübt, die kaum miteinander kooperieren. Der “Verein zur Förderung der publizistischen Selbstkontrolle” (FPS) möchte dazu beitragen, die Arbeit dieser Organe zu koordinieren.

2.

Ein Ziel dieser Koordination ist die Einigung auf gemeinsame Verhaltensgrundsätze. Auf deren Grundlage sollten besondere Verhaltenskodizes und Zuständigkeiten der einzelnen Gremien nicht mehr für Medien-, sondern für Berufsbereiche (Journalismus, künstlerische Inhalte, Werbung, Öffentlichkeitsarbeit usw.) gelten, damit neue Medienentwicklungen sofort in die publizistische Selbstkontrolle einbezogen werden können. Die berufsspezifische Systematik schließt medienspezifische Differenzierungen in den einzelnen Kodizes nicht aus.

3.

Der FPS strebt eine präzise ineinandergreifende publizistische Selbstkontrolle an, bei der alle berufsbezogenen Kodizes aufeinander abgestimmt worden sind und auch von den für die angrenzenden Öffentlichkeitsberufe zuständigen Kontrollorganen anerkannt werden. Normen zur Trennung von Journalismus und Werbung beispielsweise sollten auf beiden Seiten gleichermaßen akzeptiert und praktiziert werden.

4.

Liberale Demokratien halten sich bei der rechtlichen Regulierung der Öffentlichkeitsberufe zurück, um die Medienfreiheit nicht einzuschränken. In Übereinstimmung mit diesem Grundsatz versteht der FPS die publizistische Selbstkontrolle als eine Regulierungsweise, deren Wirksamkeit weniger auf einer von den Kontrollinstanzen ausgeübten Sanktionsgewalt als selbst auf dem Öffentlichkeitsprinzip beruht. Der FPS unterstützt diejenigen Kräfte in der Gesellschaft, die diese Auffassung teilen und z.B. öffentliche Rügen nicht als Sanktionen, sondern als Beiträge zur öffentlichen Diskussion über publizistische Berufsethik betrachten.

5.

Mit dem am Öffentlichkeitsprinzip orientierten Selbstverständnis ist nicht vereinbar, wenn die Beschwerdearbeit von Selbstkontrollorganen sich hinter verschlossenen Türen vollzieht. Beschwerden über ein Fehlverhalten von Angehörigen der Öffentlichkeitsberufe müssen im Prinzip selbst öffentlich verhandelt werden. Öffentlichkeit von Beschwerdeverfahren kann zwar zur Wiederholung eines gerügten Fehlverhaltens führen; aber im Zweifel ist der Ausschluss der Öffentlichkeit zu begründen, nicht deren Zulassung.

6.

Die Belange der Berufsethik sowie eine optimale Transparenz der publizistischen Selbstkontrolle erfordern, dass deren Organe nicht allein von Verbänden getragen und beschickt werden, die in erster Linie Arbeitsgeber- bzw. Arbeitnehmerinteressen vertreten und sich mit Rücksicht auf diese Aufgaben taktisch verhalten. Der FPS strebt eine maßgebliche Mitgliedschaft unabhängiger Personen aus dem jeweiligen Beruf in den Organen der publizistischen Selbstkontrolle an.

7.

Es ist grotesk, wenn die Öffentlichkeitsarbeit ausgerechnet der Selbstkontrolle, die den Öffentlichkeitsberufen dienen soll, zaghaft und zufällig wirkt. Um das Ansehen der publizistischen Selbstkontrolle und ihre Wirksamkeit zu stärken, regt der FPS an, die Öffentlichkeitsarbeit ihrer Organe effektiver und professioneller zu gestalten.

8.

Wie das Beispiel der “Publizistischen Grundsätze” des Deutschen Presserats zeigt, sind die Regeln der publizistischen Selbstkontrolle sowie deren Umsetzung nicht ohne Lücken und Ungereimtheiten. So haben die Ziffern 3 (Korrekturgebot) und 15 (Korruptionsverbot) des Pressekodex allenfalls schwache Wirkungen auf den in Deutschland praktizierten Journalismus, weil das zuständige Kontrollorgan hierbei im Wesentlichen auf Beschwerden reagiert und kaum von sich aus aktiv wird. Der FPS weist auf konkreten Reformbedarf in den berufsethischen Regelwerken und bei ihrer Anwendung hin. Die Reformen selbst bleiben nach dem Prinzip der Selbstkontrolle deren Organen überlassen.

9.

Der FPS will sich also nicht an der publizistischen Selbstkontrolle beteiligen. Er sieht seine Aufgabe vielmehr in einer kritischen, konstruktiven und kontinuierlichen Beobachtung der publizistischen Selbstkontrolle aus gesellschaftlicher Perspektive. Der Verein wurde ins Leben gerufen, damit diese Aufgabe dauerhaft erfüllt werde. Er nimmt sich vor, dafür geeignete Medien zu nutzen oder zu schaffen.

10.

Auch kulturelle Aktivitäten brauchen eine wirtschaftliche Grundlage. Jede(r) ist zum Eintritt in den FPS eingeladen, um durch den Mitgliedsbeitrag (€ 30,00, erm. € 15,00/Jahr) und durch eigenes publizistisches Engagement zur Beobachtung und damit zur Förderung der publizistischen Selbstkontrolle beizutragen. Der FPS strebt die Gemeinnützigkeit an.

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