“MedienSpiegel” geht an Michael Reinhard von der Main-Post

Michael Reinhard (2.v.r.), Preisträger des "MedienSpiegel" 2018, mit dem FPS-Vorsitzenden Prof. Dr. Dr. Matthias Rath und den Jury-Mitgliedern Dr. Nina Köberer und Dr. Ingrid Stapf

Die Auszeichnung “MedienSpiegel” des Vereins zur Förderung der publizistischen Selbstkontrolle e.V. (FPS) wird 2018 verliehen für den Kommentar “Standpunkt: Soziale Netzwerke sind keine gute Quelle” des Chefredakteurs der Main-Post Michael Reinhard.

Der am 30.1.2017 erschienene Text ist eine kritische Auseinandersetzung des Chefredakteurs mit der eigenen Berichterstattung seines Blatts zum tragischen Tod mehrerer Jugendlicher im unterfränkischen Arnstein. Die Main-Post hatte neben den Informationen der Polizei auch Hinweise aus den Sozialen Netzwerken aufgenommen, es hätten “gemeinsam eingenommene Drogen” für den Tod der jungen Menschen verantwortlich sein können. In seinem Kommentar entschuldigt sich Chefredakteur Reinhard nicht nur für die voreilige Übernahme dieser durch nichts bestätigten Vermutung, sondern stellt die Redaktionsentscheidung in den größeren Zusammenhang journalistischer Arbeit im digitalen Zeitalter.

Der Beitrag wählt ohne den Versuch, redaktionelle Verantwortung vom Blatt abzuwenden, den Weg, journalistische Arbeit als professionelle Abwägung zwischen Informationsvermittlung und Verantwortung für die Folgen der Berichterstattung transparent zu machen. Es wird deutlich, dass die journalistische Arbeit trotz redaktioneller Leitlinien diese Abwägung immer wieder neu verlangt. Die Selbstkritik der Redaktion veranschaulicht, dass die neuen Medien nicht nur mögliche Recherchequellen, sondern zugleich auch Ursache redaktioneller Überforderung sind. Sie bietet einen Einblick in die konkrete Praxis publizistischer Selbstkontrolle – und stellt damit auch ein Beispiel für professionelle Verantwortungsübernahme dar. “Dem Chefredakteur der Main-Post gelingt eine selbstkritische und zugleich abwägende Darstellung journalistischer Praxis. Er schützt mit dieser Offenheit zugleich seine Redaktion und den professionellen Journalismus insgesamt vor einer zur Zeit bedauerlicher Weise gängigen Häme und Diskreditierung”, so der FPS-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Matthias Rath in seiner Laudatio.

Gerade diese differenzierende Darstellung konkreter Verantwortungsübernahme und der Gefahr, damit auch scheitern zu können, trägt nach Meinung der Jury dazu bei, das Vertrauen in eine professionalisierte Medienarbeit zu sichern. Damit wird der selbstkritische Kommentar zu einem Best-Practice-Beispiel für die Idee der freiwilligen Medienselbstregulierung.

Mitglieder der Jury sind Janina Kalle (Journalistin), Anton Sahlender (Sprecher der Vereinigung der Medien-Ombudsleute in Deutschland und “Leseranwalt” der Main-Post) sowie die Medienethikerinnen Dr. Nina Köberer und Dr. Ingrid Stapf. Als Gast-Juror war Martin Fuchs in die Jury berufen worden, der mit seinem Blog “Hamburger Wahlbeobachter” Politik und Internet seit Jahren kritisch begleitet.

Der Preis “MedienSpiegel” ist eine Initiative des Vereins zur Förderung der Publizistischen Selbstkontrolle e.V. mit dem Ziel, die mediale Transparenz publizistischer Selbstkontrolle zu erhöhen und zugleich die öffentliche Wahrnehmung zu stärken. Über den “MedienSpiegel” soll positive Aufmerksamkeit für Medienschaffende, Redaktionen oder Medienhäuser sowie zivilgesellschaftliche Initiativen erzeugt werden, die diese Selbstkontrolle verwirklichen. Ausgezeichnet werden konkrete Produkte, Initiativen und Projekte, die in vorbildlicher Weise die besondere öffentliche Aufgabe der Medien thematisieren, Abweichungen davon kritisieren oder besondere Potenziale im Bereich Best Practice ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Preisträger Michael Reinhard, Chefredakteur der Main-Post

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