Presserat: Toter Gaddafi darf gezeigt werden

Der Deutsche Presserat hat auf seiner jüngsten Sitzung 158 Beschwerden behandelt, darunter drei Mehrfach-Beschwerden mit insgesamt 64 Beschwerdeführern. Neben zwei öffentlichen Rügen gab es 16 Missbilligungen und 27 Hinweise.

Ein zentrales Thema war die Berichterstattung über den gewaltsamen Tod Muammar Al-Gaddafis in Libyen, zu der insgesamt 49 Beschwerden vorlagen. Die Beschwerdekammern hatten sich mit der Frage zu beschäftigen, ob ein getöteter Diktator in Fotos und Bewegtbildern gezeigt werden darf und wenn ja, in welcher Form. Dazu bezieht der Presserat in einer schriftlichen Mitteilung Position:

Grundsätzlich ist der Presserat der Auffassung, dass der Tod von Diktatoren auch in Bildern festgehalten werden darf. Eine Tabuisierung des Todes sollte es in den Medien nicht geben. Selbstverständlich ist der Anblick eines getöteten Menschen kein Anblick, dem sich ein Leser oder Internet-User in der Regel gerne stellt. Dennoch gehört es zu den Aufgaben der Presse, auch solche Informationen in Wort und Bild zu vermitteln, die Gewalt, Krieg und Sterben beinhalten. Die Darstellung des toten Gaddafis verstößt daher nicht per se gegen den Grundsatz der Menschenwürde nach Ziffer 1 des Kodex. Auch die Ziffer 11 des Kodex, die eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Tod untersagt, ist nicht automatisch verletzt. So hat der Beschwerdeausschuss 2 des Presserats auch insgesamt 14 Beschwerden aus diesen Gründen als unbegründet zurückgewiesen. Die Bilder sind Dokumente der Zeitgeschichte.

Dennoch ist bei der Darstellung darauf zu achten, in welcher Form die Bilder gezeigt werden. So haben zwei Boulevardzeitungen ein Foto des blutverschmierten Gesichts des toten Gaddafi, gezoomt und vergrößert, auf der Titelseite über dem Bruch veröffentlicht. Hierin erkannte der Ausschuss einen Verstoß gegen Aspekte des Jugendschutzes. … In beiden Fällen sprach der Beschwerdeausschuss eine Missbilligung aus – bei insgesamt 35 Beschwerdeführern.

Eine öffentliche Rüge kassierte die Zeitschrift “Das Neue”, da sie nach Auffassung des Presserats gegen das Wahrheitsgebot nach Ziffer 1 des Pressekodex verstoßen hat. Wegen Schleichwerbung gerügt wurde die “Auto-Zeitung”. Weitere Informationen zu den aktuellen Rügen gibt es hier.

Update:

Auch der Österreichische Presserat hat sich mit der Berichterstattung über Gaddafis Tod befasst. Eine grundsätzliche Erklärung dazu ist hier nachzulesen.

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