Presserat spricht sechs Rügen aus

Der Deutsche Presserat hat in seiner ersten Sitzung im Jahr 2011 sechs Rügen ausgesprochen. “Bild Online” erhielt eine Rüge wegen Missachtung des insbesondere bei Jugendlichen dringend gebotenen Opferschutzes, der in Richtlinie 8.1 des Pressekodex verankert ist. “Bild Bremen” verletzte in der Berichterstattung über die Gerichtsverhandlung gegen einen ehemaligen Spieler der Amateurmannschaft von Werder Bremen dessen Persönlichkeitsrechte und verstieß gegen das Gebot der Unschuldsvermutung. Gegen das Schleichwerbe-Verbot verstießen “tv Hören und Sehen” und die Zeitschrift “Premius”. Die “Lünepost” verletzte das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Sie wurde gerügt für die Veröffentlichung von Fotos, auf denen Szenen aus dem Straßenleben der Stadt gezeigt werden. Die Zeitschrift “Schifffahrt Hafen Bahn und Technik” verstieß gegen die Sorgfaltspflicht und den Schutz der Ehre. Die Publikation hatte in einem Beitrag über die deutsche Wasser- und Schifffahrtsverwaltung berichtet und einem Amtsleiter schwere Vorwürfe bei der Ausschreibung und Abwicklung von Aufträgen gemacht. Weitere Hintergründe zu den Rügen finden sich in der aktuellen Pressemitteilung des Presserats.

Eine Beschwerde der Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti gegen den “Spiegel” lehnte der Presserat ab. Ihrer Ansicht nach verstießen die Artikel des Nachrichtenmagazins, die sich auf die von Wikileaks zur Verfügung gestellten 250.000 Depeschen des U.S. State Department beziehen, gegen das Verbot von Exklusivverträgen mit Informanten (Richtlinie 1.1 des Pressekodex). Der Presserat wies in seiner Stellungnahme darauf hin,

dass der Spiegel nicht gegen diese Richtlinie verstoßen hat, da das Angebot, Unterlagen exklusiv zu erhalten, von Wikileaks kam. Der Kodex kann einem Informanten – hier Wikileaks – nicht vorschreiben, dass er sich mit seinem Material an mehrere Redaktionen wenden muss. Dass der Spiegel dieses Angebot [...] angenommen hat, kann man der Zeitschrift nicht vorwerfen. Jede Redaktion, die exklusive Informationen erhalten kann, wird diese auch nutzen, um eine Exklusiv-Geschichte zu veröffentlichen. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass nicht die Redaktion diejenige ist, die einem Informanten die Infos als Exklusivmeldung abkauft und damit ein Informationsmonopol anstrebt.

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